
Plutos Planeten-Spezial: Was Alice mit den ollen Ägyptern gemein hat
27. November 2009Hallo Kulturfans,
heute erwartet Euch hier auf dem Planeten Pluto ein wahrlich fellsträubender kultureller Exkurs, jawoll die Herren und Damen! Warum? Nun, ich habe entdeckt, dass wir Hunde nicht immer zu Stöckchenbringern, Sofasitzern und Herrchen-Anschmachtern degradiert worden sind. Beispielsweise im alten Rom war der edle Pluto – kein Wunder bei dem Namen – eine gefürchtete finstere Gottheit, seines Zeichens Herr der Unterwelt! Ploutos heißt übrigens so viel wie “Reichtum”. Jetzt weiß ich auch, warum mein Frauchen immer sagt, ich sei ihr großer Hunde-Schatz. Na ja, manchmal sagt sie auch “alter Sack” zu mir, wobei ich annehme, dass mit “alt” gereift und edel gemeint ist.
Und auch in Ägypten verehrte man Hunde über alle Maßen – da wäre zum Beispiel Anubis, der Totengott mit Hundekopf. Im Alltag galten wir als edle und sehr geliebte Kameraden – und keiner wäre je auf die Idee gekommen, uns ein Schleifchen ins Fell zu knoten. Igitt! Na ja, so eine Schmach hat man mir hier zu Hause zumindest erspart. Vielleicht dann doch ein wenig Rest-Respekt vor dem graueneinflößenden Höllenhund. Wenn *würg* Roukelchen an mir vorbeigeht, lasse ich mal gerne meine geballte Autorität raus, harf harf!
Warum ich heute an die Ägypter denken musste? Nun ja, Alice hat sich ihre kleine wollige Pfote verletzt und Frauchen war mit ihr bei unserem Lieblings-Tierarzt. Und der hat ihr zierliches Pfötchen mit allerlei Binden zugewickelt, so dass dieses aussah wie ein Teil einer Mumie. Und, ohne indiskret sein zu wollen – derzeit müffelt sie auch ein wenig wie eine Mumie, ich denke, es ist mal wieder Zeit, dass die Gute ein Bad nimmt! Na ja, es kann halt nicht jeder so ein delikates Aroma verströmen wie meine Wenigkeit!
Als dann – bis die Tage! Euer Bildungssender vom Planeten Pluto
Liebster Pluto,
da gehen einem doch gleich vor Begeisterung sämtliche Einbalsamierungsbandagierungen auf, wenn man auf ein kulturell so bewanderte – verzeih, beinahe hätte ich “Menschen” geschrieben – Wesen stößt. Du hast sogar Anubis gleich ganz richtig mit der Einbalsamierung bei den alten Ägyptern assoziiert. Denn dafür war er ja zuständig. Und war dann erst mal der Leichnam ausgenommen, mit duftenden Essenzen eingerieben und sorgfältig eingewickelt, nahm sich Anubis der aus diesem “Kunstwerk a la Christo” entschlüpften Seele an und geleitete sie durch die Unterwelt. Dort lauerten nämlich schreckliche Gefahren, die ohne göttlichen Beistand nicht zu bestehen waren.
Ja, siehste, und bei “schreckliche Gefahren” fällt mir doch gleich wieder Frauchens “niedliches Roukelchen” ein. Wenn der wieder frech wird, könntest Du ihm einfach mal vorschlagen, Urlaub in Ägypten zu machen. Dort hätte heute nämlich selbst ein Anubis nichts mehr zu melden, es sei denn, er könne sich glaubhaft als Schakal ausweisen. Hunde gelten dort nämlich als unrein. Du, Alice und Max natürlich ausgenommen – also, äh, natürlich nicht wie eine Mumie sonderen in Sinne von “Ausnahmefälle”.
Gerade prasseln Hagelkörner auf mein Dachfenster, und das nehme ich nun als Anlass, mich gedanklich wieder in trockene altägyptische Gefilde zurückzuziehen. Vielleicht schmiede ich auch noch irgenwelche altägyptischen Insignien Deiner Macht, mit denen Du Roukelchen gelegentlich mal in die Schranken weisen kannst.
Gehabt Euch wohl, Herr Pluto,
Eure Kühlwalda